Mein Schrieb, meine Geschichten, gewachsen auf meinem Mist und dem der Stadt


Sterneküche in Tokio

Mittagsangebot: Gekochte Sardinen in süß-herzhafter Soße.
Mittagsangebot: Gekochte Sardinen in süß-herzhafter Soße.

Das beste Essen der Welt gibt’s in der Kapitale der Gourmets. Nicht in Paris, da gibt's sicher auch einige, die gut und gerne essen, auch anderswo, ich spreche hier von Tokio. Keine Stadt der Welt hat so viele (ca. 160.000) und so viele preisgekrönte (226, laut aktuellem Guide Michelin 2015) Restaurants wie Japans Hauptstadt. Seit 2007 der erste Tokio-Führer veröffentlicht wurde, steht Tokio auf dem Podest des renommierten, französischen Restaurantführers ganz oben. Berlin, nur zum erschreckenden Vergleich, hat 15 Sterne-Restaurants, davon kein einziges Drei-Sterne-Restaurant. Paris behauptet sich auf Platz zwei der Bestenliste mit 92 ausgezeichneten Fresstempeln. Sowohl die meisten Sterne-Restaurants insgesamt, als auch die meisten Drei-Sterne-Resaurants der Welt locken nach Tokio. Aber auch außerhalb der Hauptstadt wird gekocht... und das nicht schlecht. Japan liegt auch im Ländervergleich an der Spitze.

Der Japaner schätzt seine Küche und auch die fremder Länder. Der Japaner lebt und stirbt für gutes Essen. Und gut essen heißt in Japan nicht zwangsläufig viel Geld auszugeben. Keinesfalls. Es wird lediglich viel Wert auf gutes Essen gelegt. Sehr viel Wert.

Ich habe mich also schlau gemacht und Tokios preisgünstigsten, sterngekrönten Mittagstisch ausfindig gemacht. Wer gerade klamm, müde von Sushi oder einfach nur hungrig auf gutes Essen ist, kann „Nakajima“ einen Besuch abstatten. Zum wiederholten Male wurde „Nakajima“ vom Guide Michelin mit einem Stern honoriert. Das in dritter Generation geführte Restaurant liegt in Shinjuku (ist dort jedoch relativ schwer zu finden) und bietet Fischgerichte im Kansai-Stil für nur ¥ 800 an. Wochentags stehen dem Gourmet deren fünf zur Auswahl: Sardinen gekocht, Sardinen frittiert, Sardinen gegrillt, Sardinen roh als Sashimi und für ¥ 100 Aufschlag Sardinen im Yanagawa-Stil (mit Ei und Sojasoße gekocht). Gekostet habe ich die gekochte und die frittierte Version. Die einen knusprig-saftig, die anderen süß-herzhaft. Serviert wird traditionell mit Misosuppe, Tsukemono (eingelegtem Gemüse), Reis und grünem Tee. Hervorragend! Menschenherz, was willst Du mehr.

Keine Reservierung nötig, kaum Wartezeit, freundliche Bedienung, gemütlich, sehr lecker, spottbillig. Einfach hingehen!

Aber Sterne hin oder her. Egal ob in Seitenstraßen, an Bahnhöfen oder im 17. Stock eines Hochhauses, gutes Essen steht in der Metropole 24/7 bereit. Tokio ist das Zentrum des guten Geschmacks, das Paradies des Gourmets und die Hochburg der kulinarischen Erfahrung. Und das isst so!


Nakajima (Homepage auf japanisch)

Nakajima im Guide Michelin (eng.)

Restaurantsliste (eng.) der vom Guide Michelin empfohlenen und bewerteten Restaurants in Tokio 2015

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Ein Gleichheitsgleichnis - Ein Besuch bei IKEA in Tokio

Als 1943 der damals 17-jährige Ingvar Kamprad vom Bauernhof Elmtaryd aus dem kleinen Dorf Agunnaryd in Schweden sein erstes Geschäft eröffnete, konnte die Welt nicht erahnen, dass aus dem ehemaligen Haushaltswarenladen heute die größte Haushaltsmöbelmarke der Welt entstünde.

Der multinationale Einrichtungskonzern IKEA prosperiert heute in 26 Ländern mit mehr als 300 Filialen und beschäftigt mehr als 130.000 Menschen.

In Japan wurde 1974 die erste IKEA-Filiale eröffnet, allerdings waren die Verkaufszahlen so miserabel, dass 1986 alle Einrichtungshäuser wieder geschlossen wurden. Als Ursache dafür galt die fehlende Anpassung an den japanischen Markt. Die Möbel waren zu sperrig für die japanischen Wohnungen und deren Qualität, als auch die des Services, unter japanischen Standards. Im April 2006 wurde dann mit der Eröffnung eines Hauses in Funabashi nahe Tokio ein Neuanfang versucht und die vorher erwähnten Kritikpunkte korrigiert. Bereits am ersten Tag kamen 35.000 Kunden in das 40.000 Quadratmeter große Möbelhaus. Heute zählt IKEA Japan 8 Filialen.

Aus Eigennutz (Umzug) und Interesse habe ich mich also in die neueste Einkaufsfestung in Tokio gewagt um Gleichheiten und Unterschiede zur deutschen Version zu markieren, den japanischen IKEA-Einkäufer zu studieren und die hauseigene Systemgastronomie einer Qualitätskontrolle zu unterziehen. Hört sich nach viel Spaß an, oder?

IKEA-Filialen sind groß und demzufolge etwas außerhalb des Stadtzentrums angesiedelt. Nicht anders in Tachikawa, wo der schwedische Möbeltempel 15 Gehminuten vom Bahnhof entfernt liegt. Ein erster Unterschied ist festzustellen. Die IKEA-Jünger pilgern in Japan weitaus häufiger zu Fuß, was in Deutschland eher zur Ausnahme gehört. Ein erster Eindruck: Von außen, alles wie gewohnt.

Die Produktauswahl im Inneren ist im Großen und Ganzen die gleiche. Aber eben nur im Großen und Ganzen. IKEA hat gelernt. Die Ausstellungsräume sind an die realen Lebensverhältnisse der japanischen Großstädter angepasst worden. So hängt stets neben jedem Beispielzimmer eine Tafel, die die exakte Größe des Raums in Tatamimatten und Quadratmetern angibt. Ein Quadratmeter hin oder her macht den großen Unterschied. Wohnzimmer und Küche einer vierköpfigen Familie auf 10 qm? Was in Deutschland als Antiwerbung verstanden würde, entspricht hier der Wirklichkeit. Vollständig eingerichtete Einzimmerappartements mit 15qm finden sich auf der Ausstellungsfläche ebenso wieder wie Vorgärten mit 2 qm. IKEA bietet Lösungen für alle Umstände und Zustände. Stühle hängen oft geklappt an den Wänden, Sofas dienen des Nächtens als Betten, Küchenzeilen werden mit Barhockern zum Tresen. IKEA Japan wurden von Japanern mitentwickelt. Soviel steht fest. Daher verwundert es nicht weiter, dass der gigantische Bereich der gigantischen Sofagarnituren die potentiellen Kunden eher zum Rasten und Ruhen, denn zum Kaufen animiert. Wohingegen die Krimskramsschnickschnacks, oder wie es im offiziellen IKEA-Jargon heißt, die „Satelliten“, magnetenhaft das Volk anziehen.

Die Bettenabteilung wurde um Futonmatratzen und härteren Kissen erweitert und die Bettdecken mit der landestypischen Wärmeskala versehen. Denn wer eine Decke des Wärmegrades 2 sucht, will genau diese und keine mit 1-3, oder gar eine mit 4. Die Küchenabteilung floriert, wobei auch hier der Schnickschnack, ganz wie zu Hause, am meisten lockt. Und der ist auch, genauso wie wahrscheinlich überall auf der Welt, überall zu finden. In jeder Abteilung und zwischen jeder Abteilung und am Eingang und natürlich zwischen Warenlager und Kasse. Das funktioniert weltweit. Demzufolge kauft auch hier jeder neben dem Bett, dem eigentlichen Grund des Besuchs, 100 andere Dinge, mehr oder wenig nützlich und nötig. Die blauen Plastik-IKEA-Beutel an der Kasse? Klar, der Verkaufsschlager. Vom Ausgang bis zum Bahnhof pilgern, glücklich der Schnäppchen, zwangsuniformiert die Käufer. Schämen muss sich keiner. IKEA ist cool. Jedenfalls cooler als in Deutschland.

Äußerst bemerkenswert ist der extrem überdurchschnittliche Ausländeranteil. Amis noch und nöcher, Europäer und Asiaten der Nachbarländer fühlen sich scheinbar sehr verstanden hier.

Ich kam mir jedenfalls mehr vor als wäre ich beim Meiji-Schrein-Besuch, als in einer Möbelhauskette.

Zur Gastronomie. „Heute war ich schwedisch essen.“ - „Warst du bei IKEA?“ Wo sollte man denn auch außerhalb Skandinaviens schwedisch essen können. Gut, schwedisch, mmh, was fällt einem da spontan neben Knäckebrot noch ein. Eigentlich nur Gerichte, die bei IKEA vertrieben werden. In Deutschland gehört IKEA zu den von McDonald's angeführten Top-Ten der Systemgastronomie. In Japan sicherlich nicht. Nichtsdestotrotz ziehen die Preise aber auch wirklich einen jeden Möbelkunden an die Tische. Direkt am Eingang, respektive Ausgang, wartet schon der Hotdog-Softeis-Softdrink-Stand. Preise wie im vorletzten Jahrhundert. Hotdog für 100 Yen, Hotdog und So-viel-wie-Du-trinken-kannst für 150 Yen, Softeis für 50 Yen. Des Spottes billig genug. Der ein oder andere Japaner mutiert dann gerne zum Deutschen und verwechselt das Angebot „Hotdog mit Röstzwiebeln“ mit „Röstzwiebeln mit Hotdog“. Teller gibt es nicht, die Servietten können einem leidtun. Sie scheinen vor der Übermacht und Gewalt der Röstzwiebelmengen bersten zu wollen.

Aber IKEAs Maxime, dass nur ein satter Kunde ein guter Kunde ist, der gerne mal den ganzen Tag im Tempel verbringt, bestätigt sich. Auf halber Ausstellungsstrecke, nach einem geschätzten Halbmarathon, strömt einem dann endlich der gewohnte Duft von Köttbullar, Fertigsoße und Kaffee entgegen. Warum eigentlich nicht mal wieder schwedisch essen. IKEA macht es seinen Kunden aber nicht einfach. 5, 10, 15 oder gar 20 Köttbullar. Wer die Qual hat, hat die Wahl. All-you-can-drink für 70 Yen lässt Lachs & Co. im Magen wieder schwimmen.

Das Preisleistungsverhältnis überzeugt auch die eingefleischtesten Schnäppchenjäger. Quali quasi wie immer, deswegen geht man ja auch zu IKEA.

Das Konzept stimmt einfach, auch deswegen weil es einfach ist. Hier wie dort, in Deutschland wie in Japan. Auch wenn der Japaner, kein Deutscher ist, ein jeder ist bei IKEA Mensch und darf hier auch gerne den ganzen Tag sein.

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2:1 für Deutschland - Brasilien ist raus

Duell der Giganten
Duell der Giganten

Als hätte es Ronald McDonald schon vorher gewusst. Deutschland wird im Topspiel gegen Brasilien antreten. Diese orakelhafte Fähigkeit brachte ihn auf die sportliche Idee kurz vor dem Beginn der Fußballweltmeisterschaft 2014 diese beiden Nationsburger in Japan als erstes in Rennen zu schicken. Sozusagen um die japanischen Fußballfans auf den (Vor)-Geschmack zu bringen und ihnen gleich mal die Favoriten aufzuzeigen. Während des eigentlichen Turniers wurden die Starterburger dann von anderen Nationsburgern aus Frankreich, Spanien und natürlich Japan ersetzt. Deutschland und Brasilien wurden ausgewechselt. Sozusagen um die japanischen Fußballfans auf den (Vor)-Geschmack zu bringen und ihnen gleich mal die Favoriten aufzuzeigen. Während des eigentlichen Turniers wurden die Starterburger dann von anderen Nationsburgern aus Frankreich, Spanien und natürlich Japan ersetzt. Deutschland und Brasilien wurden ausgewechselt. Die 5 Burger hatten dann auch so clicheehafte Namen wie Brazilian barbeque beef burger, German pork schnitzel burger, French chicken cordon bleu burger, Spanish omelet muffin und Japanese mincemeat beef burger.

Da die Entscheidung um den Weltmeistertitel von vornherein im Spiel Deutschland – Brasilien entschieden werden würde, habe ich den anderen Nationen mit ihren Burgern überhaupt keine Möglichkeit mehr eingeräumt und keinen von ihnen probiert. Wer wird denn schon gerne durch Verlierernahrung dick. Keine Rede, großer Sinn, wer hat denn nun eigentlich das Duell gewonnen?

Die Aufstellung des Brasilianers: Der "BBQ Beef" Burger spielte mit einem stabilen Mix aus 2 reinen Rindfleisch-Patties mit roten und gelben Paprikastreifen, Eisbergsalat, Cheddar und einer speziellen lateinamerikanischen BBQ-Grillsoße, alles in einem fußballförmigen Brötchen.

Die Aufstellung des Deutschen: Der "Pork Schnitzel" Burger bestach durch seine Vielfalt. Er bestand aus einem Schnitzel nach "Wiener Art" gebettet auf Kartoffelsalat, gerösteten Zwiebeln und einer saftigen Pilzsoße, alles im Bretzenbun.

Anpfiff. Das Spiel ging los. Und gleich das erste Tor. Das 1:0 in der ersten Halbzeit gelang dem Brasilianer durch die doppelten Rindfleischballetten mit Cheddarfüllung. Dem vorausgegangen war ein schöner Zug von Ronaldo McDonald, wissend um die deutlichen Akzente des Cheddars im zentralen Mittelfeld.

Ab der 45. Minute spielte dann aber nur noch ein Burger. Der Deutsche überzeugte über lange Strecken mit seiner Vielseitigkeit. Schnelle Wechsel vom Kartoffelsalat zum Schweini-Schnitzel, wieder zurück zum Kartoffelsalat um dann steil nach oben zur würzigen Champion-Soße zu spielen. Überzeugend aber nicht zwingend. Der Deutsche drückte und schaffte kurz vor Schluss den Ausgleich durch seine gerösteten Zwiebeln. Einzigartige Kombination!

Unentschieden nach der regulären Spielzeit. Der Brasilianer hatte während der 90 Minuten schon sein gesamtes Auswechselkontingent erschöpft und musste wohl oder übel auf die Soßenreste auf der Innenseite seiner Verpackung hoffen. Keine gute Ausgangslage.

Auch der Deutsche war platt. Aber dann kam eine unerwartete Einwechslung. Ein Trumpf, eine neue Packung mit Chicken McNuggets mit einer "deutschen" Currysoße. Wo zum Götze kam die denn her? Nach dem zweiten Dippen fiel die Entscheidung: 2:1. Abpfiff. Das Spiel war aus. Da hatte der Deutsche sich auf seine Bank verlassen können.

Ich freue mich jetzt schon auf's Finale. Das Ergebnis vom Brasilienspiel kenne ich ja schon.

 

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Fahrradtiefgaragen in Tokio – Vollautomatisch in den Untergrund

Wer beispielweise in Minato-ku, Tokio wohnt, dort arbeitet oder zur Schule bzw. Uni geht, kommt in den Vorzug einen vollautomatisierten Stellplatz für sein Fahrrad in Anspruch nehmen zu können. Von der Stadt subventioniert ein echtes Schnäppchen für 1800 Yen pro Monat. Taifun- und tsunamigeschützt, vor Diebstahl und anderen Beschädigungen gefeit.

Die Parkanlage besteht aus 5 „Turmkellern“ mit einem jeweiligen Fassungsvermögen von 204 Fahrrädern. Alles ist vollautomatisiert und computergesteuert. Zur Benutzung der Anlage wird lediglich eine sogenannte IC-Karte benötigt. Vergisst man beispielsweise in welchem der Türme man sein zweirädriges Fahrzeug abgestellt hat, verweist die Digitalanzeige am Turmeingang auf den richtigen Abstellort.

Bei der Registrierung wird die Größe des Fahrrads überprüft, die AGB unterschrieben und umgehend der "IC-Tag" an der Vordergabel des Drahtesels befestigt. Studenten bekommen selbstverständlich einen Sondertarif. Verträge können für einen, drei oder sechs Monate abgeschlossen werden. Volle Monate werden gebührenfrei auf Wunsch zurückerstattet. Die Verlängerung erfolgt ab dem Zwanzigsten bis zum Ende eines jeden Monats. Einfache Sache.

So sieht's aus im Untergrund.
So sieht's aus im Untergrund.

Das anschließende Video zeigt anschaulich wie einfach die Benutzung ist. Folgende Erklärung möchte ich jedoch vorabstellen.

Zum Parken wird das Fahrrad auf die Schiene gestellt, wobei das Vorderrad in den Türschlitz gesteckt werden muss. Dabei liest der Sensor automatisch den IC-Tag an der Vordergabel ein. Der Besitzer muss nur noch den Bestätigungsknopf drücken. Kein Pin, kein Zahlen. Die Tür öffnet sich und der Hirsch verschwindet im gefräßigen Schlund der Anlage. Mit einem Lift wird das Fahrrad in eine Tiefe von bis zu zwölf Metern transportiert und unterirdisch auf einem der freien Parkplätze abgestellt. Die Daten werden gespeichert. Fertig. Alles elektrisch. 

Das Ausparken funktioniert ähnlich. IC-Karte an das Sensorfeld halten. Sekunden warten während der Lift das Velo wieder ans Tageslicht  manövriert. Fahrrad aus der Rille nehmen. Wieder keine Pin-Eingabe oder Zahlung nötig. Einfacher geht’s nicht.

Zudem sicher, platzsparend, praktisch und kostengünstig. Willkommen in Tokio.

 

Mehr Infos über ECO Cycle gibt's beim Hersteller GIKEN.

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Live House – Hier spielt die Musik

Rockstars.
Rockstars.

Ein Live House (rai-bu hausu;ライブ ハウス) ist ein japanischer Live-Musik-Club, der Indie-Künstlern und Bands eine Bühne bietet. Der Begriff kommt aus dem Japanischen und findet hauptsächlich in Ostasien Verwendung. Das älteste Live Haus ist Live Coffee House Jittoku (拾得, nach dem chinesischen Mönch Shide "Foundling" benannt) in Kyoto und wurde 1973 in einer alten Lagerhalle gegründet. Kurz darauf breitete sich die Idee in ganz Japan aus. In den letzten Jahren öffneten ähnliche Einrichtungen in den großen Städten Südkoreas, in Taiwan und China. Es gibt „Live-Häuser“, die gleichen gehobenen Clubs mit Weltklasse-Sound- und Beleuchtungssystemen und haben 1000 Sitzplätze, während andere auf dem Niveau eines ranzig-muffigen Kabuffs liegen. Häufig jedoch sind es klein- bis mittelgroße Spielstätten mit einem menschlichen Fassungsvermögen zwischen 20 und 200, die zusätzlich als Bars fungieren. Es gibt hunderte allein in Tokio. Nicht immer leicht zu finden, meist gut versteckt. Ein Live House stellt Drum-Kits, Verstärker, PA, Beleuchtung und Ingenieure zur Verfügung oder vermietet diese zumindest.

3-5 Bands buchen zusammen für die Nacht den Rockraum, wobei jede Band eine 15-45 minütige Spielzeit bekommt. Es gibt normalerweise keine Bezahlung für die Bands. Im Gegenteil. Sie haben in der Regel eine bestimmte Anzahl von Karten (z.B. 20 Tickets für 2000 Yen pro Stück) zu verkaufen. Wenn sie ihre Quote nicht erfüllen, müssen sie die Differenz aus eigenem Beutel bezahlen.

Vor allem Fans weniger bekannter Rock-, Jazz-, Blues-und Folk-Bands besuchen diese Veranstaltungen. Augen- und Ohrenschmankerl gibt’s zur Kostprobe im folgenden Video.

Rock that Shit!

 

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Immer wenn es schneit in Tokio...

Das ist zwar nicht so oft, aber wenn, dann schlittert die Stadt in den Ausnahmezustand. Alarmstufe weiß. Heute wurde die höchste "Schnee"-Alarmstufe für Tokio seit 13 Jahren herausgegeben.

Sämtliche Fernsehstationen berichten, möglichst in Echtzeit, über alles was aufgrund der „japanischen Weiße“ zu Veränderungen führen könnte. Das wichtigste, weil das, was die Stadt am Laufen hält, ist das Bahnnetz. Wenn das Blut in ihren Adern gefriert steht Tokio still. Keine Bahn, keine Arbeit, keine Schule, keine Bewegung, kein Leben.

Zwei meiner drei Studenten für heute haben sich bereits entschuldigt. Zuviel Schnee wurde angekündigt. Einer hatte bereits gestern Abend seine Befürchtungen mir per Kurznachricht mitgeteilt und in weißer Vorsicht abgesagt. In meiner Japanischklasse gestern Abend gab es nur ein Thema. „Ashita yuki ga furimasu“ - Schnee Morgen! Alle Lehrer warnten, als würde es sich dabei um die Apokalypse handeln. Für meinen Studienkollegen aus Nigeria stand zu diesem Zeitpunkt schon fest, dass ein Verlassen seiner Wohnung heute unter keinen Umständen in Betracht gezogen werden könnte. Aber auch irgendwie alles verständlich. Für ein Land, so von Erdbeben gebeutelt wie Japan, hat Prävention wo es geht höchste Priorität. Das wissen mittlerweile sogar die Ausländer.

Heute beginnen die Wettbewerbe der Olympischen Spiele in Russland. Passt. Tokio verwandelt sich in (Klein-)Sotschi. Wenn auch ungewollt. Aber für viele, die heute am Samstag freihaben, nicht mit Bahn, Auto oder Flugzeug reisen müssen, kommt der Schnee nicht ungelegen. Die Spiele im Fernsehen mit der Familie schauen mit einem leicht porösen Schneeteppich vor dem Fenster als Background-Installation. Authentisch. Heißen Sake trinken, etwas Warmes essen und die Füßen zusammen mit dem Rest der Familie unter den elektrischen Heiztisch klemmen. What a life! (Ich alter Nostalgiker. Die meisten werden vermutlich ein kühles Bier öffnen, die Klimaanlage einschalten und sich auf's Sofa legen.) Auch den Kleinsten gefällt's. Sie spielen schon auf den Straßen, bauen Schneemänner und ulken herum. Eine echte Abwechslung in einer Stadt, die äußerst selten unter einer weißen Decke verschwindet. Im TV berichten Reporter von "draußen". Eingepackt, einer K2-Besteigung würdig, inspizieren sie den Schnee kristallgenau und erklären mit leuchtenden Kinderaugen das Geräusch beim Laufen über die weiße Watte. „Knirsch, knirsch.“ - „Nur etwas heller und trockener“, fügen sie hinzu. Wie auch immer sich das in japanischen Ohren anhören mag. Niedlich und positiv belustigend ist es allemal.

Schlimm ist's nur für jene, die etwas sehr Wichtiges zu erledigen haben. Heute beginnen beispielsweise für einige angehende Studenten die ersten Aufnahmeprüfungen an den Universitäten. Ein Tag auf den sich jahrelang vorbereitet wird. Wer einmal genommen, das gilt besonders für die namenhaften (Erziehungs-)Anstalten des Landes, hat einen gehobenen Posten in Wirtschaft oder Politik später sicher. Bis jetzt sind nur Verzögerungen der Eintrittsexamen angekündigt. Wenigstens weis jeder Bescheid. Das Fernsehen berichtet ja.

Das der Highway geschlossen ist und kaum Flieger abheben werden, wird nur am Rande erwähnt. In Deutschland wäre die Berichterstattung wohl genau anders herum. Straßen spielen in Tokio eine eher untergeordnete Rolle. Trotzdem gibt es Dinge, die überall auf der Welt gleich sind. Glücklicherweise auch die Farbe des Schnees. Der ist hier nämlich auch weiß.

 

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