Honne und Tatemae - ein gutes Beispiel Anlässlich des Physik-Nobelpreises 2014‏

Honne und Tatemae sind bekannte Ausdrücke für Japanologen oder die Leute, die sich intensiv mit Japan beschäftigen. Die Wörter drücken den außerordentlichen Charakter der Japaner sehr gut aus. Japaner können nicht alles direkt sagen, weil es manchmal grob klingt, dann benutzen sie Tatemae. Tatemae ist für uns eine Höflichkeit.

In Wikipedia wird Honne und Tatemae folgerndermaßen erklärt:

Honne (jap. 本音) bezieht sich auf die wahren Gefühle und Wünsche einer Person. Diese können entgegengesetzt dem sein, was seitens der Gesellschaft erwartet wird, oder was entsprechend der Position einer Person und der Umstände traditionell erforderlich ist. Diese Wünsche werden oft verborgen gehalten, außer gegenüber den engsten Freunden.

Tatemae (建前, „Maskerade“) ist das Verhalten und die Äußerungen in der Öffentlichkeit und entspricht den Erwartungen der Gesellschaft, der Position der Person und den Umständen. Sie muss daher nicht der honne entsprechen. Dies wird oft durch Lächeln oder eine bewusst ausdruckslose Mimik maskiert.“

Tatemae klingt manchmal schon ironisch. Neulich habe ich von einem sehr gutem Beispiel von Tatemae gelesen. Es war ein Kommentar der japanischen Chemiefirma Nichia in den Medien. Der Physik-Nobelpreisträger von 2014 Nakamura hatte zuvor dem ehemaligen Präsidenten von Nichia öffentlich gegrüßt.

Nichia antwortete Herrn Nakamura, der für die Entwicklung von blauen LED's als Angestellter verantwortlich war.

Hier schreibe ich den Antwortkommentar der Firma:

Herr Nakamura hat uns vor 15 Jahren verlassen. Es gibt keinen Grund uns zu danken, wir haben ihn um nichts gebeten. (meine Interpretation: Wir wollen keinen Kontakt.) Er erwähnt öffentlich genug Dankbarkeit gegenüber unserem ehemaligen Präsidenten und unserer Firma. Wir hoffen, dass er weiterhin einen großen Beitrag zur Physik leisten kann und seine unersetzliche Zeit nicht für Dankbarkeiten an uns verschwendet.“

Das war prächtiges Tatemae. Mit dieser Höflichkeit hat sie seinen Gruß abgelehnt. Die eigentliche Bedeutung wird dahinter versteckt. Die Ablehnung war Honne.

Die beiden Parteien sind lange vor Gericht im Streit gewesen. 2001 hatte Herr Nakamura Nichia vor Gericht wegen dem Patent seiner Erfindung verklagt. Das Gericht erkannte seinen 50%igen Beitrag an und veranlasste Nichia 20 Milliarden Yen (135 Millionen €) Schadensersatz zu zahlen. Nach Einlegung der Berufung von Nichia konnten sie sich mit der einmaligen Zahlung von 840 Millionen Yen (6 Millionen €) versöhnen. Seither haben sie Abstand voneinander genommen.

Kurz nach der Nobelpreisverleihung wollte Herr Nakamura den Abstand zwischen ihm und der Firma verringern und sich langsam wieder annähern. Aber die Firma wollte nicht.


Artikel über den Nobelpreis auf sueddeutsche.de


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Keksautomaten

Shonan-Keksautomaten
Shonan-Keksautomaten

Überall in Japan stehen Getränkeautomaten. Sie stehen nicht nur im Bahnhof, sondern auch auf der Straße. Es ist sehr typisch in Japan, dass man beim Automaten Getränke kauft. Es gibt in Kanagawa merkwürdige Automaten auf der Straße, die nur Kekse, die sogar wie hausgemacht aussehen, verkaufen. Die Keksautomaten stehen in U-Form. Das ist für Japan auch sehr unnormal. Die Keksmarke der Automaten heißt "Shonan Kekse".

Ich habe sie schon gekannt, weil eine Freundin von mir nach dem großen Erdbeben 2011 davon erzählt hat. Obwohl das Erdbeben im Norden Japans geschah, wurde Kanagawa, das circa 300 km entfernt ist, auch sehr stark erschüttert und danach wurde der gesamte Verkehr gestoppt. Deswegen sind viele Leute von den Firmen zu Fuß bis nach Hause zurückgekehrt. Es gab ziemlich viele Leute, die über 4 Stunden zu Fuß gelaufen sind. Meine Freundin gehörte auch zu ihnen. Sie bekam großen Hunger auf dem Weg, dann fand sie auf der Straße die Automaten. Da konnte sie mit Keksen ihren Magen voll machen. Das hat sie mir nachher erzählt.

Jetzt habe ich in Odawara eine lange Reihe von diesen Keksautomaten gefunden. Die Verpackungen haben ein Design, als ob man sie selber bemalt hätte. Sehr einzigartig. Nach meiner Untersuchung, verkauft die Firma anscheinend nie durch Menschen, sondern immer durch Automaten. Kein Personal notwendig. Auf ihrer HP steht: "Wir verkaufen Kekse limitiert nur in Shonan-Gebiete, die am Meer in Kanagawa liegen. Wir backen die Kekse mit Liebe und nur mit den besten Zutaten." Sie können sich nur auf die Herstellung der Kekse konzentrieren. Die Handelsmethode ist sehr interessant. Manchmal läuft etwas im TV über die Marke oder die Handelsmethode, z.B. "Was ist das? - 100 ungewöhnliche Landschaften?" (Das TV-Programm ist sehr lustig. Wenn du in Japan bist, musst du es einmal sehen! Man kann das lustig finden, ohne Japanisch zu verstehen, weil man alles nur über Bilder verstehen kann und trotzdem lachen kann. Es läuft am Mittwoch um 19 Uhr auf dem 5 Kanal - TV Asahi.)

Sogar Kekse mit kleinen Fischen "Jakogawara" (Fischbrutziegel) mit Sojasoße und Zucker (süß-salziger Geschmack) wurden in einer Stadt im Syonan-Gebiet als ihre Spezialität offiziell anerkannt. Also ist die Firma wenigstens schon teilweise berühmt. Ich habe probiert einige Kekse zu kaufen. Hier gebe ich die besten 3 an:

 

1. Syonan Beach de Kaffee Rumba (Kaffee-Rumba auf dem Strand Syonan)

  - Kaffee Geschmack mit knusprigem Kokos

2. Syonan Vanilla

  - Vanillekekse

3. Shiokaze to Taiyo (Seewind und Sonne)

  - Vanillekekse mit Himbeermarmelade

 

Die aus kleinen Fischen hergestellten Kekse "Jakogawara" sind auch sehr empfehlenswert. Der Geschmack ist sehr japanisch. Die Shonan-Keksautomaten liegen von der Station Odawara 13 Minuten zu Fuß entfernt, vom Schloss Odawara nur 3 Minuten. Die Adresse ist 1-1-9 Minamimachi Odawara. Folge einfach der grünen Linie auf der Landkarte.

 

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Die Cafe-Apotheke - Uirou hat eine lange Tradition

„Süßigkeit Uirou“
„Süßigkeit Uirou“

In Odawara ist es anders als in anderen modernen japanischen Städten. Hier kann man noch viele traditionelle Cafes im japanischen Stil in der Stadt finden kann. Ich kenne mindestens 5 solche Cafes in der Nähe vom Bahnhof Odawara.

Ein Cafe in der Geschäftsstraße vor der Station ist sehr interessant. Weil, wie du schon im Titel gelesen hast, das Cafe auch als Apotheke läuft. Sie haben Apothekenschilder außerhalb des Ladens. Erst verkaufen sie im Laden ihre süßen Spezialitäten, danach kommt ein Apothekenraum, wo sie Medikamente verkaufen, dahinter ist ein gemütlicher Cafe-Raum. Ich habe einmal mein Rezept zu dieser Cafe-Apotheke mitgebracht. Als ich auf die Medikamente wartete, kam eine Bedienung aus dem Cafe-Raum und bot mir grünen Tee auf einem kleinen, schön lackierten Brett an.

Das Cafe heißt Uirou. Die Familiengeschichte, die hinter dem Cafe steht hat eine Geschichte von 600 Jahren. So lange bieten sie schon Süßigkeiten an und haben mit Medizin zu tun.

Ihr Hauptgeschäft ist im Viertel hinter dem Schloss. Das Gebäude sieht wie ein kleineres Schloss aus. Eigentlich eher wie eine Imitation von einem Schloss, aber mit einem schlechten Geschmack, kitschig, komisch! Ein richtiges Schloss gibt es ja schon sehr nah. Aber das Gebäude vom Laden ist echt und hat auch eine lange Geschichte.

Uirou ist eigentlich der Familienname der Konditorei. Den Namen gibt es in Japan nur einmal. Die Familie stammt aus China. Ihre Vorfahren dienten als medizinische Beamte in den chinesischen Dynastien. Die Familie Uirou hatte ein sehr gutes medizinisches Rezept. Das rein pflanzliche Medikament, so sagt man, hat eine fast allmächtige Wirkung z.B. gegen Husten, Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, Lebensmittelvergiftung, Hitzeschlag u.v.m. Als die chinesische Yuan-Dynastie untergegangen war, kam die Sippe der Uirou im 14. Jahrhundert nach Japan. Sie nahm ihre Berufsbezeichnung zum Familiennamen. Ab jetzt hießen sie in japanischer Aussprache „Uirou“. Die Familie diente als Arzt beim Shogunat in Kyoto und das „allmächtige“ Medikament wurde immer wichtiger für die Behandlung. Die zweite Generation der Uirous erfand eine Süßigkeit, die sie einfach herstellen und mit dem Medikament anbieten konnte. Für die Süßigkeit wurde Reispulver und Zucker gemischt und die Masse anschließend gedämpft. Sie wurde auch als Gastmahl angeboten. Damals gab es in Japan überhaupt selten Süßigkeiten. Also wurde die Süßigkeit sehr schnell beliebt. Beide, sowohl das Medikament als auch die Süßigkeit, wurden nach dem Familiennamen Uirou benannt. Seit damals wird zwischen der „Süßigkeit Uirou“ und dem „Medikament Uirou“ unterschieden.

Die fünfte Generation der Uirous war nach Odawara gekommen, weil Hojo Soun, der Fürst des Schlosses Odawara, sie gerufen hatte. Dort hat ihr der Hojo erlaubt das Medikament zu verkaufen. In Folge wurde das Rezept von der Süßigkeit Uirou in Japan viel verteilt, weil mittlerweile viele Mitarbeiter angestellt waren.

Als sie nach Odawara umzogen, bauten sie ein Haus mit vielen großartigen Türmen, wie ein Schloss. Das war um circa 1500. Das Haus wurde vom Tenno für seine Schönheit gelobt. Aus Stolz erhalten sie bewahren sie die Architektur des Schlosses bis heute. Auch wenn es wegen Erdbeben kaputt gegangen war, bauten sie es wieder auf.

Man kann sehen, dass Uirou in der Edo-Epoche sehr berühmt war, weil Uirou in einem berühmten Roman in der Edo-Epoche beschrieben wurde und eine große Beziehung mit Kabuki, dem klassischen Theater in Japan, gehabt hat. Die älteste Kabuki-Familie, Ichikawa, hatte viel mit der Familie Uirou zu tun. Die zweite Kabuki-Generation konnte wegen einem Hustenanfall nicht zum Schauspiel auf die Bühne kommen. Aber da erinnerte sich einer der Schauspieler an die Wunderwaffe „Uirou“. Aufgrund des Medikaments wurde sein Hals sofort geheilt. Er machte dank dem Medikament ein Theaterstück über Uirou. Das war 1718. Das Stück heißt Uirou-uri (Uirou-Verkäufer) und wird als ihr Steckenpferd jetzt auch noch gespielt. Heute ist das Theaterkleid, das die Kabuki-Familie der Uirou-Familie schenkte, im Uirou-Museum ausgestellt.

Obwohl die Familie Uirou schon seit langem die Süßigkeit privat für Bekannte gemacht hatte, haben sie selbst die Süßigkeit erst spät (ab ca.1900) zu verkaufen begonnen.

Schon damals hatten die ehemaligen Mitarbeiter der fünften Generation einen eigenen Süßigkeitsladen aufgebaut und dort verkauft. Die Köstlichkeit wurde als erstes in Nagoya sehr berühmt. Daher denken heute fast alle Japaner, dass Uirou eine Spezialität aus Nagoya ist. Obwohl Uirou seine Wurzeln eigentlich in Odawara hat.

Diesem Umstand konnte und wollte die Familie Uirou nicht zustimmen und ist deswegen vor ca. 10 Jahren vor Gericht gezogen. Das Warenzeichen „Uirou“ sollte geschützt und nur für die aus Odawara hergestellten Produkte benutzt werden können. Leider verloren sie vor Gericht den Streit um den Markennamen "Uirou". Das Gericht begründete sein Urteil folgendermaßen: Der einstige Familienname wurde im Laufe der Zeit zur allgemeinen Bezeichnung einer populären Süßigkeit.

Auf jeden Fall waren sie lange Mediziner von Beruf, keine Konditoren. Auch jetzt noch verkaufen sie als Apotheke verschreibungspflichtige Medikamente und auch ihr eigenes altchinesisches „allmächtiges“ Heilmittel. Nebenbei betreiben sie ihr Cafe und verkaufen weiterhin die Süßigkeit.

Das war die lange Geschichte der Uirous. Jetzt, da Du die Geschichte kennst, wunderst Du dich wahrscheinlich nicht mehr darüber, dass in Odawara eine Apotheke Süßigkeiten bzw. ein Cafe Medikamente verkauft.

 

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Frühstück und die japanische Reissucht

Reichhaltiges, traditionelles japanisches Frühstück. "Oishii so."
Reichhaltiges, traditionelles japanisches Frühstück. "Oishii so."

Japaner konsumieren allmählich weniger Reis. Seit 2011 ist der Brotkonsum der Japaner sogar höher als ihr Reiskonsum. In Japan kann man jetzt gutes Baguette und auch deutsches Brot kaufen. Aber im normalen Supermarkt kann man normalerweise nur weiße, rechteckige Brote kaufen.

Heute ist es normal, dass man verschiedene Brote zum Frühstück in Japan isst. Brot, Butter, Marmelade und Salat. Das ist europäisiertes Frühstück in Japan. Daneben aber es gibt noch typisch japanisches Frühstück. Reis, Misosuppe, gekochter, in Salz eingelegter Fisch und Natto. Sehr viele Japaner essen ein solches Frühstück und man kann im Hotel das Frühstück auf jeden Fall genießen.

Ich selbst esse beide Stile. Reis zu 80%, Brot zu 20%. Wenn ich Reis esse, esse ich dazu Honig-Umeboshi (Das mag ich am liebsten), wenn ich wenig Zeit habe. Sonst esse ich gekochtes Gemüse und Fleisch im Sojasoße-Stil oder Essen mit chinesischem Geschmack.

Ich glaube Reis ist perfekt gesund für ein Hauptgericht. Reis beinhaltet kein zusätzliches Fett, denn das meiste Brot, das man in Japan einfach im Supermarkt kaufen kann, beinhaltet Margarine, im besten Fall Butter. Und Reis passt zu den meisten Gerichten! Als Japanerin denke ich so. Wenn Brot auf den Tisch kommt, werde ich nicht satt.

Als ich als Austauschstudentin in Deutschland war, obwohl ich nie dachte, dass ich so japanisiert bin, habe ich trotzdem ziemlich oft Reis gekocht. Welchen Reis? Ich habe immer Milchreis benutzt. Mit Wasser gekochten Milchreis. Er war beliebt unter uns Japanern, weil Milchreis unserem japanischen Reis sehr ähnlich im Geschmack und in der Textur ist. Gourmet-Japaner sagen, dass man verrückt sei, wenn man ihn auch nur im Ansatz für ähnlich hielte. Für mich war der Geschmack gar nicht schlecht... und Milchreis war so viel billiger und leichter zu bekommen.

Aber ich wusste gar nicht, dass ich reissüchtig bin, bis ich bei unserer Hochzeitsreise in Deutschland war. Uns wurde immer am Morgen nur Brot angeboten, selbst im Flugzeug. Allmählich hatte ich wirklich von Brot die Nase voll. Beim letzten Brot im Flugzeug zurück nach Japan, habe ich bemerkt, dass ich verrückt nach Reis bin. Ich habe nie bis zu diesem Moment gedacht, dass ich so japanisiert bin. Also glaube ich nicht, dass Japaner irgendwann keinen Reis mehr essen werden. Japanische Babies fangen beispielsweise an zuerst Reisbrei zu essen.

Den Reisbauern möchte ich sagen: "Seid beruhigt, ein Japaner kann nicht ohne Reis überleben."

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Sakura - Kirschblüte in Japan

Bald kommt die Kirschblütenzeit. In Japan berichten die Nachrichten in ihrer Vorschau, wann und wo die Kirschblüte blühen wird. Dieses Jahr kommt die Kirschblüte in Tokyo etwa am 25. März. Ein Baum des meteorologischen Beobachtungszentrums dient der Prognose und Echtzeitberichterstattung. Wenn die 5 bzw. 6 Blütenblätter des Kirschbaumes blühen, wird von „Aufblühen“ berichtet. Wenn 80% der Blütenblätter aufblühen, dann wird von „in voller Blüte sein’’ gesprochen. Die Sorte, die für die Vorschau verwendet wird, heißt „Someiyoshino“. Diese Sorte ist die meist gepflanzte in Japan.

Wenn die Kirschblüte blüht, dann essen und trinken die Leuten unter den Zweigen. Das ist Hanami. So geniessen wir die Kirschblüte.

In Odawara kann man auch die Pflaumenblüte und eine andere Kirschblütenart (Kawadu-Zakura) genießen. Die Pflaumenblüte blüht von Anfang Februar bis Anfang März. In der Samuraikriegsepoche hat der Samuraifürst in Odawara viele Pflaumenbäume gepflanzt. So konnten die Leute in der Friedenszeit die Pflaumenblüte genießen und in der Kriegszeit Pflaumen essen. Salzig eingelegte Pflaumen (Umeboshi) sind bis heute sehr beliebt in Japan und schmecken wunderbar zu Reis. Odawara ist jetzt dafür sehr berühmt. Stadtsymbol und Stadtblume ist natürlich die Pflaumenblüte. Die Blütenpracht kann man vor dem Schloss Odawara und im Viertel „Soga“ sehr gut sehen. In Soga gibt es über 30,000 wohl geordnete Pflaumenbäume und die Landschaft wirkt dadurch überwältigend. Am 11. Februar findet jährlich ein Bogenschießen auf dem Pferd (Yabusame) vor den Pflaumenbäume statt. Ein echtes Spektakel.

Die andere Sorte Kirschblüte „Kawadu-Zakura“, die früher blüht als die seit jeher beliebteste (Someiyoshino), findet jetzt schon zu ihrer Schönheit.

 

Von Februar bis Anfang April können viele verschiedene Blüten- und Blumenarten in Odawara bestaunt werden.

Ich habe gehört, dass die Kirschblüte vor dem Schloss Odawara hervorragend sein soll. Ich freue mich schon darauf!

 

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Kinjiro Ninomiya - Warum ist er so bekannt in Japan?

Statue in einer Schule.
Statue in einer Schule.

Während eines Spaziergangs in Odawara habe einen Jungen, den ich schon seit Langem kenne, wieder getroffen. Er trägt Brennholz und liest ein Buch. Er ist kein Mensch, er ist eine Statue.

Seine Statue ist ziemlich bekannt in Japan. Alle Japaner kennen ihn. Seine Statue hat einst in fast allen japanischen Gymnasien gestanden. Auch heute steht er noch in vielen japanischen Gymnasien. Z.B. gibt es in der Präfektur Kanagawa 868 Gymnasien von denen er bis heute in 144 von ihnen mit seinem Abbild vertreten ist. Die meisten Leute kennen ihn als Symbol des Fleißes aus Erzählungen von ihren Eltern oder aus Büchern. In meiner Kindheit sagten die Erwachsenen immer: „Kinder müssen ihn als Vorbild nehmen. Er ist so fleißig, dass er lernt, selbst während der Arbeitszeit.“ (Er war arm, deswegen musste er schon arbeiten, als er Kind war.) Ich war aber immer skeptisch gegenüber dieser komischen Statue, ob es wirklich ein gutes Vorbild ist. Eigentlich hat mir niemand erzählt, wie er groß wurde, nachdem er holztragend Bücher gelesen hatte, oder in welcher Epoche er gelebt hat. Alle Japaner kennen ihn, aber keiner weiß, was aus ihm geworden ist. Ein merkwürdiges Vorbild, von dem man eigentlich gar nichts weiß.

Das war meine Meinung über ihn, bis ich nach Odawara umgezogen bin. Erst hier habe ich erfahren, dass er aus Odawara kommt. Sein Name ist Kinjirou Ninomiya. Mein Leben hat sich mit seinem Leben wieder gekreuzt. Deshalb habe ich begonnen über ihn zu recherchieren. Überraschende Tatsache. Überrascht war ich auch, dass er eine große Persönlichkeit wurde. Ich bin davon sehr begeistert, was er geschaffen hat. Eigentlich sehr schade, dass er nur für eine fleißige Jugend bekannt ist. Der Grund warum sich die Statue in Japan so ausgebreitet hat, ist wegen der 2. Weltkriegspropaganda und des Geschäftsinteresses der Steinhändler.

Nun zur Geschichte von Kinjiro Ninomiyas Leben und seinem Erfolg.

Er wurde 1787, also in der Edo-Epoche, geboren. In der Edo-Epoche herrschte die Tokugawa- Familie 265 Jahre lang über Japan. Er arbeitete in dieser Zeit, also vor ca. 230 Jahren, basierend auf seiner eigenen Philosophie, als Berater. Seine Familie waren Reisbauern. Damit stand er praktisch ganz unten in der Hierarchie zu dieser Zeit. Samurais waren die obersten. Die Reisbauern mussten Reis als Grundsteuer zahlen. Aber mit der Zeit wurde er von den oberen Samurais in Odawara anerkannt und geachtet. Durch seine Beratungstätigkeit half er erst den Samurais und später den beherrschten Reisbauerndörfern wieder zu Wohlstand zu kommen.

Seine eigenartige Philosophie wurzelte in seiner harten Jugend. Seine Familie hatte über Generationen große Reisfelder. Aber schlechtes Wetter hatte alle Felder zerstört und große Hungersnot hervorgerufen. Auch sein Vater erkrankte aufgrund dieser Probleme. Der kleine Kinjirou musste statt ihm sehr viel arbeiten. Er wollte stets diesem harten Leben entfliehen. Der Arzt seines Vaters lehrte Kinjirou schon sehr früh, dass er Bücher lesen und lernen muss, um sein Leben verbessern zu können. Sein Vater hatte (für einen Reisbauern) viele Bücher gehabt. Kinjirou gewöhnte sich an, chinesische Werke von Konfuzius usw. zwischen Reisanbau und Haushaltsarbeit zu lesen.

Als sein Vater starb, verlor seine Familie alle Reisfelder. Einige Jahre später starb auch seine Mutter. Da war Kinjirou gerade erst 14 Jahre alt. Er wurde von Verwandten aufgenommen. Auch dort las er nach dem Arbeiten viele Bücher. Aber seine Verwandten verboten ihm das Licht zu benutzen. Licht war teuer. Deswegen kaufte er eine Handvoll Rapssamen. Er dachte sich, dass er vom Raps Öl für Licht gewinnen könnte. Aus einer Handvoll Rapssamen wurde im nächsten Jahr siebenmal mehr Raps. Er sammelte auch von anderen Bauern weggeworfene Reissamen und säte sie auf zerstörten Reisfeldern, auf denen Andere nicht mehr anbauen wollten, wieder an. Für Getreide, das auf zerstörten Feldern angebaut wurde, musste man für 7 Jahre keine Grundsteuer zahlen.

Er fing bei Null an, ohne Samen und ohne Grundbesitz. Aber sein Agrarfachwissen, gewonnen aus seinen Erfahrungen in seiner harten Jugend, halfen ihm. In einem Jahr konnte er 60 kg Reis ernten. Mit diesem Reis konnte er alle ehemaligen Reisfelder seiner Familie zurückkaufen. Die Familienehre war wieder hergestellt. Trotz dieser Arbeit wurde er 1,82 m groß und wog schließlich stattliche 94 kg. Eine seltene Erscheinung im Japan zu dieser Zeit.

Er besaß mit der Zeit mehrere Ländereien, welche ihm zunehmend Ruhm verschafften und zu einer Anstellung als Finanzberater der Familie des Samuraifürsten in Odawara führten. Ein ungewöhnlicher Sprung in der Hierarchie des damaligen Samuraiwesens. Er übernahm diese Arbeiten in der Hoffnung durch sein Wissen über das Leben der Samurais das der Bauern verbessern zu können. Bei der Samuraifamilie störte ihn die große Verschwendung von Ressourcen, was ihn veranlasste die Familie zu mehr Sparsamkeit zu überreden. Er gewann immer mehr Führungsfähigkeit und verstand die Leute auf seine Seite zu bringen. Großzügigkeit und Freude einen positiven Beitrag leisten zu können zeichneten ihn aus. In 5 Jahren gelang ihm die Verbesserung der Familienfinanzen des Samaraifürsten.

Durch seinen Erfolg wurde er direkt vom Samuraifürsten in Odawara mit dem Wiederaufbau eines Dorfs, das lange die Grundsteuer nicht gezahlt hatte, beauftragt. Er erkannte, dass die Erde zu unfruchtbar für die eingetriebene Grundsteuer war und deswegen die Bauern keine Lust mehr hatten, zu arbeiten. Zuerst schlug er dem Samuraifürsten vor, die Grundsteuer um 1/4 zu senken. Danach besuchte er die Dörfer jeden Tag um den Wiederaufbau voranzutreiben. Er gab Anweisungen zur Verbesserung des Reisanbaus und riet auch hier zu mehr Sparsamkeit. Zur Motivation der Bauern veranstaltete er eine öffentliche Auszeichnung für den Bauern mit dem größten Ertrag. In 10 Jahren wurde die so Ernte verdoppelt (von 54 Tonnen Reis auf 108 Tonnen).

Im Laufe seines Lebens half er noch vielen anderen Dörfern. Er wurde ein wahrhaft „großer“ Mann. Es ist wirklich schade, dass er heute nur für seine Statue bekannt ist. Für mich ist das ein weiterer Beweis dafür, dass es sich lohnt mehr über die eigene Geschichte zu lernen.


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Bunt in der Stadt (街中色とりどり)

Jetzt ist Odawara bunt wie Deutschland an Weihnachten. Das ist wegen der Hina-Dekoration. Am 3. März, dem Tag des Mädchens, dekoriert man in Japan zwei Figuren als Pärchen im Kimono, Prinzessin und Prinz. Damit hofft man auf Glück und Gesundheit für das Mädchen, meist die eigene Tochter. Die Figuren heißen Hinakazari. Das Dekorieren an sich ist eine Tradition vergleichbar mit dem Schmücken des Baumes zum Weihnachtsfest in Deutschland. Seit der späten Edoära gab es eine "Armen-Version" mit Figuren im Mobilestil. Die Dekoration musste nicht im Prinz- und Prinzessinnenstil sein. Von Affen und Hasen über Goldfische und Bälle waren der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Erlaubt war was selbstgebastelt werden konnte.
Es war damals die "Armen-Version", aber jetzt in der Gegenwart mag ich die Dekoration sehr. Die Mobiles wehen im schön bunt im Wind.

Normalerweise dekoriert man zu Hause die Figuren, also privat. Aber in Odawara sehe ich die halbe Stadt in Dekoration. Viele Läden und ein Museum haben Hina-Dekoration. Sie sind schön bunt und ich genieße sie.

Ab 9. Feb bis 3. März werden die Figuren in den Läden und in einem Museum in Odawara dekoriert. Man kann eine Tour, auf der man die ausgestellten Hinafiguren findet, machen. Dafür gibt es eine Broschüre in Odawara. So lassen sich alle "Verstecke" aufspüren. Der Broschüre zufolge gab es bis ca. 1955 eine weitere Tradition. Die Mädchen hatten eine kleine Küchenausstattung mit der sie abwechselnd ihre Freundinnen besuchten. Eine Rundtour mit dem Ziel auch die ausgestellten Hinafiguren der anderen Familien sehen zu können. Inspiriert von dieser Tradition hat ein Bürgerverein das Ausstellen der Hinafiguren wiederbelebt. Heute sind alle Ausstellungen für jedermann kostenfrei und an vielen Ecken der Stadt zu finden.

Zusätzlich finden einige Veranstaltungen statt, z.B. ein klassisches Konzert mit Hinafiguren im Museum, eine Teezeremonie, eine Gourmettour usw.

So schön das ganze Spektakel auch ist, so wichtig ist es die Figuren schnellstmöglich nach dem 3. März wieder in die Schränke zu verbannen. Der Aberglaube besagt, dass die Mädchen sonst keinen Mann finden werden.

 

 

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Toilette und Babyroom in Odawara

Jetzt habe ich einen Ort gefunden, wo es mir sehr gefällt. Es ist die Toilette in einem Einkaufszentrum in der Odawara-Station. Lusca heisst das Einkaufszentrum. Sie haben sich sehr angestrengt die Toiletten schön zu gestalten. Eine Broschüre verweist darauf.

Die Toilette hat in jedem Stockwerk ein eigenes Thema.

1. Stock: Odawaras Symbole wie die weißen Wände und das Steinpflaster des Schlosses   und die berühmte Laterne

2. Stock: Grüner Wald mit Licht

3. Stock: Relaxen für Frauen, vielfältige große Spiegel mit Babyroom

4. Stock: Bauklotzhaus

Besonders gefällt mir die Toilette im 3. Stock. Das Babyroom ist wunderbar. Man kann hier sehr angenehm sein Baby pflegen. Hier hat man praktische Einrichtungen für eine Pause, einen Windelwechsel und um das Kind zu Füttern. Es gibt ein Sofa, 2 Wickeltische, spezielle Windelmülleimer und ein Wasserkochgerät, das das Trinkwasser in geeigneter Temperatur bereitstellt. Es gibt sogar 2 separate Zimmer mit Vorhängen, in denen die Mütter ungestört ihren Nachwuchs stillen können. Besonders bin ich von der Innenausstattung begeistert. Sehr sauber - ich denke die Innenausstattung ist neu - und auch sehr fantasievoll bemalt und dekoriert. Über den Wickeltischen sind drehbare Mobile aufgehängt. Meinem Baby gefallen die Mobile. Er hat sie neugierig und lang angeguckt, während seine Windel gewechselt wurde. Er hat es sehr genossen. Ich auch.

Du kannst hier auch die Körpergröße deines Kindes messen. Die Bemalung einer Giraffe dient als Maßstab.

Am meisten überraschten mich aber die automatisierten Geräte. Wie ich schon erzählt habe, wurden hier 2 Geräte eingerichtet. Die Kunden können den Windelmülleimer und den Babywasserkocher frei benutzen.

Nachdem man auf dem Wickeltisch die Windel gewechselt hat, steckt man die benutzte Windel in den Schlitz des Mülleimergeräts. Drückt man den Knopf auf dem Eimer wird die Windel automatisch eingezogen, drinnen wird die Windel geruchsneutral verpackt. Man braucht keine Tüte mehr um die alten Windeln mitzunehmen.

Der Wasserkocher funktioniert so: Im Wassertank wird das Trinkwasser gekocht und mit der geeigneten Temperatur warm gehalten. Mit dem Wasser macht man aus dem Milchpulver Milch. Die 2 Geräte sind sicher teuer, trotzdem wurden sie eingerichtet.

 

Verstehst du jetzt warum ich so begeistert bin von der vielen Mühe die das Einkaufszentrum in seine Toiletten gesteckt hat? Also wenn du mit deinem Kind mal zufällig in Odawara vorbeischaust und zufällig du oder dein Kind den stillen Ort aufsuchen musst, weist du jetzt wo du bestens versorgt wirst.

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Gelber Shinkansen

Kennst du Japans Schnellzug (Shinkansen)? Der Shinkansen ist auf der ganzen Welt sehr berühmt. Japan darf darauf stolz sein. Aber kennst Du auch den seltenen Shinkansen Doktor Yellow?

Der Doktor Yellow ist ein Mess- und Erprobungszug und dient unter anderem dem Testen der Schienenkrümmung auf der Shinkansen-Strecke. Ein vergleichbarer Zug in Deutschland trägt den Namen ICE S. Der Doktor Yellow überprüft den krummlinigen Schienen-, Oberleitungs- und Ampelstromzustand. Wie überprüft er? Er hat einen Sensor unter dem Zugboden mit dem er den Streckenzustand abtastet. Die Information, die er mit dem Sensor spürt, wird sofort zum Streckenarbeiter geliefert. Die Überprüfungsdaten werden am Abend direkt übermittelt, danach kann sofort in der Nacht das Ergebnis an die Instandhaltung weitergegeben werden. Der Shinkansen fährt auf 2 Strecken. Auf der Tokaido/Sanyou-Strecke fährt er von Tokyo bis Hakata. Auf der Tohoku/Jouetsu-Strecke fährt er von Tokyo durch Oomiya bis Niigata. Auf der Tohoku/Jouetsu-Strecke fährt er als Testzug in Weiß mit rotem Streifen, der "East i" heißt.

Der Zeitplan des Doktor Yellows wird nicht veröffentlicht. Es wird nur veröffentlicht, dass er dreimal im Monat nach dem Nozomi-Zeitplan (Halt nur an Hauptbahnhöfen) fährt. Einmal alle zwei Monate fährt er im Kodama-Zeitplan (Halt an allen Bahnhöfen).

Es gibt einen Aberglauben in Japan. Wenn man den Doktor Yellow sieht, dann wird man glücklich. Warum? Weil es nicht einfach ist den Zug zu sehen. Deswegen wird die Modellbahn von Kato, Tomix, u.s.w. so oft verkauft.

Ich habe ihn glücklicherweise einmal gesehen. Es war am Nachmittag auf dem Dienstausflug in Shinyokohama. Ich war sehr begeistert und habe sofort mit meinem Handy fotografiert.

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