Honne und Tatemae - ein gutes Beispiel Anlässlich des Physik-Nobelpreises 2014‏

Honne und Tatemae sind bekannte Ausdrücke für Japanologen oder die Leute, die sich intensiv mit Japan beschäftigen. Die Wörter drücken den außerordentlichen Charakter der Japaner sehr gut aus. Japaner können nicht alles direkt sagen, weil es manchmal grob klingt, dann benutzen sie Tatemae. Tatemae ist für uns eine Höflichkeit.

In Wikipedia wird Honne und Tatemae folgerndermaßen erklärt:

Honne (jap. 本音) bezieht sich auf die wahren Gefühle und Wünsche einer Person. Diese können entgegengesetzt dem sein, was seitens der Gesellschaft erwartet wird, oder was entsprechend der Position einer Person und der Umstände traditionell erforderlich ist. Diese Wünsche werden oft verborgen gehalten, außer gegenüber den engsten Freunden.

Tatemae (建前, „Maskerade“) ist das Verhalten und die Äußerungen in der Öffentlichkeit und entspricht den Erwartungen der Gesellschaft, der Position der Person und den Umständen. Sie muss daher nicht der honne entsprechen. Dies wird oft durch Lächeln oder eine bewusst ausdruckslose Mimik maskiert.“

Tatemae klingt manchmal schon ironisch. Neulich habe ich von einem sehr gutem Beispiel von Tatemae gelesen. Es war ein Kommentar der japanischen Chemiefirma Nichia in den Medien. Der Physik-Nobelpreisträger von 2014 Nakamura hatte zuvor dem ehemaligen Präsidenten von Nichia öffentlich gegrüßt.

Nichia antwortete Herrn Nakamura, der für die Entwicklung von blauen LED's als Angestellter verantwortlich war.

Hier schreibe ich den Antwortkommentar der Firma:

Herr Nakamura hat uns vor 15 Jahren verlassen. Es gibt keinen Grund uns zu danken, wir haben ihn um nichts gebeten. (meine Interpretation: Wir wollen keinen Kontakt.) Er erwähnt öffentlich genug Dankbarkeit gegenüber unserem ehemaligen Präsidenten und unserer Firma. Wir hoffen, dass er weiterhin einen großen Beitrag zur Physik leisten kann und seine unersetzliche Zeit nicht für Dankbarkeiten an uns verschwendet.“

Das war prächtiges Tatemae. Mit dieser Höflichkeit hat sie seinen Gruß abgelehnt. Die eigentliche Bedeutung wird dahinter versteckt. Die Ablehnung war Honne.

Die beiden Parteien sind lange vor Gericht im Streit gewesen. 2001 hatte Herr Nakamura Nichia vor Gericht wegen dem Patent seiner Erfindung verklagt. Das Gericht erkannte seinen 50%igen Beitrag an und veranlasste Nichia 20 Milliarden Yen (135 Millionen €) Schadensersatz zu zahlen. Nach Einlegung der Berufung von Nichia konnten sie sich mit der einmaligen Zahlung von 840 Millionen Yen (6 Millionen €) versöhnen. Seither haben sie Abstand voneinander genommen.

Kurz nach der Nobelpreisverleihung wollte Herr Nakamura den Abstand zwischen ihm und der Firma verringern und sich langsam wieder annähern. Aber die Firma wollte nicht.


Artikel über den Nobelpreis auf sueddeutsche.de


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