Die Cafe-Apotheke - Uirou hat eine lange Tradition

„Süßigkeit Uirou“
„Süßigkeit Uirou“

In Odawara ist es anders als in anderen modernen japanischen Städten. Hier kann man noch viele traditionelle Cafes im japanischen Stil in der Stadt finden kann. Ich kenne mindestens 5 solche Cafes in der Nähe vom Bahnhof Odawara.

Ein Cafe in der Geschäftsstraße vor der Station ist sehr interessant. Weil, wie du schon im Titel gelesen hast, das Cafe auch als Apotheke läuft. Sie haben Apothekenschilder außerhalb des Ladens. Erst verkaufen sie im Laden ihre süßen Spezialitäten, danach kommt ein Apothekenraum, wo sie Medikamente verkaufen, dahinter ist ein gemütlicher Cafe-Raum. Ich habe einmal mein Rezept zu dieser Cafe-Apotheke mitgebracht. Als ich auf die Medikamente wartete, kam eine Bedienung aus dem Cafe-Raum und bot mir grünen Tee auf einem kleinen, schön lackierten Brett an.

Das Cafe heißt Uirou. Die Familiengeschichte, die hinter dem Cafe steht hat eine Geschichte von 600 Jahren. So lange bieten sie schon Süßigkeiten an und haben mit Medizin zu tun.

Ihr Hauptgeschäft ist im Viertel hinter dem Schloss. Das Gebäude sieht wie ein kleineres Schloss aus. Eigentlich eher wie eine Imitation von einem Schloss, aber mit einem schlechten Geschmack, kitschig, komisch! Ein richtiges Schloss gibt es ja schon sehr nah. Aber das Gebäude vom Laden ist echt und hat auch eine lange Geschichte.

Uirou ist eigentlich der Familienname der Konditorei. Den Namen gibt es in Japan nur einmal. Die Familie stammt aus China. Ihre Vorfahren dienten als medizinische Beamte in den chinesischen Dynastien. Die Familie Uirou hatte ein sehr gutes medizinisches Rezept. Das rein pflanzliche Medikament, so sagt man, hat eine fast allmächtige Wirkung z.B. gegen Husten, Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, Lebensmittelvergiftung, Hitzeschlag u.v.m. Als die chinesische Yuan-Dynastie untergegangen war, kam die Sippe der Uirou im 14. Jahrhundert nach Japan. Sie nahm ihre Berufsbezeichnung zum Familiennamen. Ab jetzt hießen sie in japanischer Aussprache „Uirou“. Die Familie diente als Arzt beim Shogunat in Kyoto und das „allmächtige“ Medikament wurde immer wichtiger für die Behandlung. Die zweite Generation der Uirous erfand eine Süßigkeit, die sie einfach herstellen und mit dem Medikament anbieten konnte. Für die Süßigkeit wurde Reispulver und Zucker gemischt und die Masse anschließend gedämpft. Sie wurde auch als Gastmahl angeboten. Damals gab es in Japan überhaupt selten Süßigkeiten. Also wurde die Süßigkeit sehr schnell beliebt. Beide, sowohl das Medikament als auch die Süßigkeit, wurden nach dem Familiennamen Uirou benannt. Seit damals wird zwischen der „Süßigkeit Uirou“ und dem „Medikament Uirou“ unterschieden.

Die fünfte Generation der Uirous war nach Odawara gekommen, weil Hojo Soun, der Fürst des Schlosses Odawara, sie gerufen hatte. Dort hat ihr der Hojo erlaubt das Medikament zu verkaufen. In Folge wurde das Rezept von der Süßigkeit Uirou in Japan viel verteilt, weil mittlerweile viele Mitarbeiter angestellt waren.

Als sie nach Odawara umzogen, bauten sie ein Haus mit vielen großartigen Türmen, wie ein Schloss. Das war um circa 1500. Das Haus wurde vom Tenno für seine Schönheit gelobt. Aus Stolz erhalten sie bewahren sie die Architektur des Schlosses bis heute. Auch wenn es wegen Erdbeben kaputt gegangen war, bauten sie es wieder auf.

Man kann sehen, dass Uirou in der Edo-Epoche sehr berühmt war, weil Uirou in einem berühmten Roman in der Edo-Epoche beschrieben wurde und eine große Beziehung mit Kabuki, dem klassischen Theater in Japan, gehabt hat. Die älteste Kabuki-Familie, Ichikawa, hatte viel mit der Familie Uirou zu tun. Die zweite Kabuki-Generation konnte wegen einem Hustenanfall nicht zum Schauspiel auf die Bühne kommen. Aber da erinnerte sich einer der Schauspieler an die Wunderwaffe „Uirou“. Aufgrund des Medikaments wurde sein Hals sofort geheilt. Er machte dank dem Medikament ein Theaterstück über Uirou. Das war 1718. Das Stück heißt Uirou-uri (Uirou-Verkäufer) und wird als ihr Steckenpferd jetzt auch noch gespielt. Heute ist das Theaterkleid, das die Kabuki-Familie der Uirou-Familie schenkte, im Uirou-Museum ausgestellt.

Obwohl die Familie Uirou schon seit langem die Süßigkeit privat für Bekannte gemacht hatte, haben sie selbst die Süßigkeit erst spät (ab ca.1900) zu verkaufen begonnen.

Schon damals hatten die ehemaligen Mitarbeiter der fünften Generation einen eigenen Süßigkeitsladen aufgebaut und dort verkauft. Die Köstlichkeit wurde als erstes in Nagoya sehr berühmt. Daher denken heute fast alle Japaner, dass Uirou eine Spezialität aus Nagoya ist. Obwohl Uirou seine Wurzeln eigentlich in Odawara hat.

Diesem Umstand konnte und wollte die Familie Uirou nicht zustimmen und ist deswegen vor ca. 10 Jahren vor Gericht gezogen. Das Warenzeichen „Uirou“ sollte geschützt und nur für die aus Odawara hergestellten Produkte benutzt werden können. Leider verloren sie vor Gericht den Streit um den Markennamen "Uirou". Das Gericht begründete sein Urteil folgendermaßen: Der einstige Familienname wurde im Laufe der Zeit zur allgemeinen Bezeichnung einer populären Süßigkeit.

Auf jeden Fall waren sie lange Mediziner von Beruf, keine Konditoren. Auch jetzt noch verkaufen sie als Apotheke verschreibungspflichtige Medikamente und auch ihr eigenes altchinesisches „allmächtiges“ Heilmittel. Nebenbei betreiben sie ihr Cafe und verkaufen weiterhin die Süßigkeit.

Das war die lange Geschichte der Uirous. Jetzt, da Du die Geschichte kennst, wunderst Du dich wahrscheinlich nicht mehr darüber, dass in Odawara eine Apotheke Süßigkeiten bzw. ein Cafe Medikamente verkauft.

 

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